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iPAQ und Linux

Seit kurzen bin ich Besitzer eines Compaq iPAQ und da bei mir Windows nur noch während der F1 Saison gestartet wird (leider gibt es noch keine F1-Simulation für Linux), musste ich natürlich auch Linux auf dem iPAQ installieren.

Hier nun ein kleiner Erfahrungsbericht meiner ersten Gehversuche (Stand 02.05.2001).

Technische Daten:

  • Compaq iPAQ H3630 (Farbdisplay)
  • CPU - Intel StrongARM SA1110 processor (up to 206MHz)
  • 32 MB of SDRAM and 16MB of flash
  • 320x240 4096 color display, ambient light sensor, touchscreen, buttons
  • Built-in microphone, stereo audio out, mono speaker
  • Serial and slave USB via cradle
  • 115Kbps and 4Mbps IrDA
  • Expansion packs

Die erste Linux Installation

Zuerst habe ich mir die benötigten Files (stable version) von handhelds.org aus dem Download-Verzeichnis geladen. Bevor man anfängt alle Dateien zu Laden, sollte man einen Blick in das install.htm werfen. Dort sind alle Dateien aufgeführt, die für eine Installation benötigt werden. So lädt man nicht unnötige Dateien, die zum Teil ca. 25 MB groß sind!

Danach sollte man das install.htm genau studieren. Läuft während der Installation des bootldr etwas schief, so kann man den iPAQ als ca. 1300 DM teuren Briefbeschwerer benutzen. Auch die beschriebene Prüfung der Downloads mit md5sum sollte man machen, damit man keine korrupten Downloads in das Flash-ROM brennt.

Die eigentliche Installation ist trotz des flauen Gefühls im Magen recht problemlos und läuft ungefähr wie folgt ab:

  1. Das Programm osloader mit ActiveSync auf den iPAQ kopieren
  2. Sicherung von WindowsCE aus dem Flash-ROM (vielleicht braucht man es ja doch mal)
  3. Den Bootloader installieren (Das ist der kritische Teil der Installation)
  4. Den Teil des Flash-ROMs schützen, in dem der Boot-Loader ist und den iPAQ neu booten
  5. Wenn der Pinguin auf dem Display erscheint, dann aufatmen, denn der kritische Teil der Installation ist dann überstanden
  6. Jetzt mit HyperTerminal von Windows die restlichen Teile auf den iPAQ übertragen und wie beschrieben installieren.
  7. neu booten und sich über Linux auf dem iPAQ freuen.

Wer die Installation nicht über Windows machen möchte, findet auf handhelds.org auch eine Beschreibung, wie das Ganze unter Linux geht. Wer unter Linux minicom (statt HyperTerminal) zum Übertragen der Files per Xmodem zum iPAQ benutzen möchte, sollte unbedingt vorher die FAQs auf handhelds.org dazu studieren. Scheinbar gibt es ein Timing-Problem bei der Übertragung zum iPAQ. Als ich später QT/Embedded mit minicom überspielt hatte, wurde dieses Files auch nicht korrekt übertragen wurden und der iPAQ blieb beim Booten hängen.

Nun ein paar Eindrücke zu dieser Installation:

Ersteinmal ist es recht lustig, X auf dem iPAQ laufen zu sehen. Als Windowmanager wird TWM verwendet. Als Applikationen sind z.B. eine Shell, ein virtuelles Keyboard und ein MPEG-Player dabei. Das Programm xscribble ermöglicht auch die Eingabe über Handschrift. Interessant dabei ist, den ganzen Bildschirm als Schreibfläche zu nutzen.

QT/Embedded

Die Installation QT/Embedded auf dem iPAQ ist recht Problemlos. Voraussetzung ist eine laufende Linux-Installation von handhelds.org. Dann benötigt man nur die freie Version von QT/Embedded. QT/Embedded wird dann einfach über die bestehende usr-Partion von Handhelds.org geladen.

Vom Handling gefiel mir bei QT/Embedded bisher am besten. Die Applikationen erreichen auch schon fast den Standard, den man von PDAs erwartet. Neben Addressbuch, Terminplaner, Notizbuch, Aufgabenliste und Taschenrechner, gibt es auch einen MPEG-Player. Das mit installierte Video lief auch recht flott ab. Ein auf den iPAQ überspieltes MP3-File hat sich aber ziemlich schlecht angehört. Mit dem MPEG-Player der Basis-Installation wurde eine wesentlich bessere Qualität wiedergegeben. Für die verspielten User sind auch noch Tetris, Mastermind, Solitaire und Freecell dabei.

QT/Embedded verwendet kein X, sondern schreibt direkt über Framebuffer in den Bildschirm. Daher können keine normalen X-Applikation gleichzeitig laufen. Zu den Besonderheiten gehören 5 verschiedene Eingabe-Modi.

Screenshots und QT/Embedded sind unter dem folgenden Link verfügbar: http://www.trolltech.com/products/qt/embedded/qpe.html

Familiar

Das Familiar Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht ein Linux PDA OS zu entwickeln. Die Version 0.3 macht schon einen recht guten Eindruck. Ein paar einfache PIM Applikation wie Taschenrechner, Kontakte, Ausgabenplaner, Notizbuch, Terminplaner und Terminplaner sind auch enthalten. Eingaben können über ein virtuelles Keyboard oder per Handschrift gemacht werden. Es werden mehrere virtuelle Desktops unterstützt und eine Dame Spiel ist auch dabei.

Für die Installation werden auch nur bestehende Teile der Grundinstallation von handhelds.org durch die Familiar-Distribution ersetzt.

Allgemeines zu den Installation

Linux im Flash-ROM

Linux und die elementaren Dateisysteme sind im Flash-ROM des iPAQ hinterlegt. Folgende Flashbereiche sind wie folgt belegt:

Bereich Adresse Größe (KB) Typ InhaltMount Point
flash00x00000256 - Bootloader -
flash10x04000512 - Kernel -
flash20x0c000256 - Parameter -
flash30x100001024cramfs init.cramfs/mnt/init
flash40x200003072cramfs root.cramfs/
flash50x300008192cramfs usr.cramfs /usr
flash60xd000003072 *) ext2 Eigene Files/usr/local

*) bei einem 32 MByte Flash-ROM stehen 19456 KByte zur Verfügung.

Zum Laden der Bereiche schließt man den iPAQ an die serielle Schnittstelle des Rechners, bootet den iPAQ und drückt in einer gestarteten Terminalemulation die Leertaste. Darauf hin erscheint der Boot-Prompt. Über help können alle Befehle angezeigt werden, die vom Bootloader verstanden werden.

Um einen Bereich neu zu laden, gibt man einen der folgenden Befehle ein:

  • load kernel
  • load flash 0x100000
  • load flash 0x200000
  • load flash 0x500000

Danach überträgt man die Datei, die in diesen Bereich geladen werden soll, per Xmodem aus der Terminalemulation.

Leider unterstützt der Bootloader (noch) kein USB. Daher braucht man für eine komplette Installation ca. 1 Stunde (usr-Bereich ca. 20-30 Minuten, root-Bereich ca. 10 Minuten und der Rest ca. 5-6 Minuten pro Bereich).

Powermanagement

In den von mir getesteten Installation wurde noch kein Powermanagement unterstützt. Bei der Standard-Installation und Familiar wurde wenigstens der Bildschirm nach einer einstellbaren Zeit abgeschaltet. Bei QT/Embedded wurde noch einmal der Bildschirm abgeschaltet.

Und wie geht es weiter?

Bei Mobile Linux wird eine Linux-Distribution (mLinux 0.9) für den iPAQ angeboten. Diese setzt voll auf QT/Embedded und soll auch ein funktionierendes Powermanagement haben. Leider habe ich noch keinen Test dieser Version gefunden und kann mir deshalb auch kein Urteil daher erlauben. Der Preis von ca. 80 DM geht zwar noch, eine 190-Hotline bei späteren Problemen schreckt doch etwas ab.

Die nächste Version 0.4 von Familiar soll dann auch Powermanagement unterstützen. Zusätzlich gibt es JFFS2, ein Journal Filesystem, mit dem man das Flash-ROM wie ein normales Dateisystem nutzen kann (RW), Phyton 2.0, Infrarot Unterstützung und Paket-System (ipks), aktuelle Versionen des 2.4er Kernels und XFree.

Fazit

Wer einen Ersatz für seinen Palm mit Linux sucht, sollte noch etwas warten. Bei den PIM-Anwendungen macht QT den besten Eindruck. Wer den iPAQ als PDA unter Linux nutzen möchte, wird damit wahrscheinlich am besten bedient sein. Wer lieber X mag und Linux auch mobil immer dabei haben möchte, der ist bei Familiar gut aufgehoben.

Verweise

 
Letzte Änderung am 2001-05-18 21:10:13 Zum Seitenanfang gehen WOBLUG - Wolfsburger Linux User Group   Zum Seitenanfang gehen